Horror

Das Fenster

Lena zieht in eine neue Wohnung. Gegenüber steht ein Haus, das seit Jahren leer ist. Nur ein Fenster ist erleuchtet.

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I

Der Einzug

Es regnete, seit Lena den Transporter am Bahnhof abgegeben hatte. Kein Platzregen, kein Gewitter, nur dieser gleichmäßige, graue Regen, der jedes Geräusch der Stadt zu einem leisen Rauschen verschluckte.

Die Straße war leer. Zwischen den Laternen lagen lange Streifen aus Dunkelheit, und das Licht darunter hatte die Farbe von altem Bernstein.

Der Hausmeister drückte ihr den Schlüssel in die Hand, ohne ihr in die Augen zu sehen. „Dritter Stock, links. Die Heizung klopft manchmal. Daran gewöhnt man sich.“

Sie lächelte und bedankte sich. Erst als sie schon auf der Treppe war, fiel ihr auf, dass er nichts über das Haus gegenüber gesagt hatte.

II

Das Fenster gegenüber

Die Wohnung roch nach Staub und kaltem Metall. Lena stellte den Koffer ab, schaltete die Lampe neben dem Sofa ein und ging zum Fenster, um die Vorhänge zuzuziehen.

Gegenüber, kaum zehn Meter entfernt, stand ein Haus, dessen Fassade blind geworden war. Bretter vor den Türen, schwarze Scheiben, Efeu, das sich bis zum Dach hinaufgekämpft hatte.

Nur ein Fenster im dritten Stock war hell. Ein schwaches, gelbes Licht, als brenne dahinter eine einzelne Glühbirne.

„Wahrscheinlich ein Handwerker“, sagte sie laut, einfach um die Stille zu füllen. Dann zog sie die Vorhänge zu.

Das Licht schien trotzdem durch den Stoff.

III

Die Gestalt

Gegen Mitternacht wachte sie auf. Sie wusste nicht, wovon. Der Regen hatte aufgehört, und in der plötzlichen Stille hörte sie ihren eigenen Atem.

Sie stand auf und schob den Vorhang einen Spalt zur Seite.

Im erleuchteten Fenster stand jemand.

Keine Bewegung, kein Schatten, der sich hin und her schob. Nur eine schmale, dunkle Gestalt, die genau in der Mitte des Rahmens stand, die Arme locker am Körper, den Kopf leicht geneigt.

Sie sah nicht aus dem Fenster hinaus. Sie sah in Lenas Fenster hinein.

Lena trat einen Schritt zurück. Die Gestalt tat es nicht.

IV

Der Flur

Sie wusste später nicht mehr, warum sie hinüberging. Vielleicht, weil Angst manchmal wie Neugier aussieht. Vielleicht, weil sie sich beweisen wollte, dass da nichts war.

Die Bretter vor der Haustür hingen lose. Dahinter roch es nach nassem Putz und etwas Süßlichem, das sie nicht einordnen wollte.

Die Treppe knarrte unter jedem Schritt. Im ersten Stock tropfte Wasser von der Decke, im zweiten hing eine Tapete in Streifen von der Wand, und im dritten stand eine einzige Tür einen Spalt offen.

Dahinter brannte Licht.

„Hallo?“, flüsterte sie.

Hinter ihr, unten im Treppenhaus, fiel leise die Haustür ins Schloss.

V

Der Blick zurück

Der Raum war leer. Kein Möbelstück, keine Glühbirne, kein Handwerker. Das Licht kam von draußen, es fiel durch das Fenster herein.

Lena ging langsam hinüber. Der Boden war staubig, nur ihre eigenen Schritte hatten Spuren hinterlassen. Dann sah sie hinaus.

Gegenüber lag ihr eigenes Fenster, die Lampe neben dem Sofa brannte, den Vorhang hatte sie offen gelassen.

Und dort, mitten im Rahmen, stand jemand.

Eine Frau in einer olivgrünen Regenjacke, das nasse Haar im Gesicht. Sie hob langsam die Hand.

Lena spürte, wie ihre eigene Hand sich hob.

Dann ging im Haus hinter ihr, ganz leise, eine Tür auf.

Ende

Wie war „Das Fenster“?

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