Thriller

Letzter Zug

Jonas könnte einfach weitergehen. Er tut es nicht. Danach wird aus einem kurzen Moment der Zivilcourage eine Jagd und Jonas der gejagte!

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I

Der Weg nach unten

Jonas war spät dran. Nicht so spät, dass es wichtig gewesen wäre, aber spät genug, um schneller zu gehen als sonst.

Die Straßen waren fast leer. Vor ihm leuchtete das blaue U über dem Eingang zur Station. Noch vielleicht zweihundert Meter.

Dann hörte er Stimmen aus einer Seitenstraße.

Drei Personen standen um jemanden herum. Einer versperrte den Weg, ein anderer hatte das Handy der Person in der Hand.

Jonas ging langsamer.

Er hätte weitergehen können.

Stattdessen blieb er stehen.

II

Drei gegen einen

„Lasst ihn in Ruhe.“

Seine Stimme klang lauter, als Jonas beabsichtigt hatte.

Die drei drehten sich zu ihm.

Für einen Moment sagte niemand etwas.

Die bedrängte Person nutzte den Augenblick. Ein Schritt zurück. Dann noch einer.

Einer aus der Gruppe sah hinter sich.

Als der Blick zurück zu Jonas wanderte, war die andere Person bereits verschwunden.

Jetzt standen nur noch vier Menschen in der Straße.

Drei auf der einen Seite.

Jonas auf der anderen.

III

Lauf

„Was war das gerade?“

Jonas antwortete nicht.

Der Zweite ging los.

Jonas auch.

Nur in die andere Richtung.

Er rannte.

Hinter ihm schlugen Schuhe auf Asphalt. Nicht ein Paar. Mehrere.

Vor ihm lag der U-Bahn-Eingang.

Hundert Meter.

IV

Die Treppe

Jonas nahm die ersten Stufen zwei auf einmal.

Von unten drang das Rattern eines einfahrenden Zuges durch den Tunnel.

Dann die Durchsage.

Er verstand nur zwei Worte.

„… Zug … Einfahrt.“

Er sprang die letzten Stufen hinunter.

Hinter ihm krachte etwas gegen das Geländer.

Jonas sah nicht zurück.

Vor ihm lag die Verteilerebene.

Dahinter die Bahnsteigsperren.

Und dahinter stand bereits die U-Bahn.

V

Das Drehkreuz

Jonas griff in die Jackentasche.

Leer.

Andere Seite.

Nichts.

Er blieb vor dem Drehkreuz stehen.

Hinter ihm kamen Schritte die Treppe herunter.

Dann erinnerte er sich.

Handy.

Er zog es heraus, öffnete das Ticket und hielt den Bildschirm vor den Scanner.

Nichts.

Noch einmal.

Rot.

Auf dem Bahnsteig ertönte der Warnton der Türen.

VI

Noch einmal

Jonas wischte über das Display.

Das Ticket lud neu.

Die Schritte wurden lauter.

Er hielt das Handy erneut an den Scanner.

Eine Sekunde.

Zwei.

Grün.

Das Drehkreuz sprang auf.

Jonas drückte sich hindurch.

Hinter ihm rief jemand.

Er drehte sich um.

Der Erste war schon am Drehkreuz.

Er hielt kein Ticket in der Hand.

Er sprang.

VII

Türen schließen

Jonas rannte.

Der Zug stand vielleicht dreißig Meter entfernt.

Die Türen blinkten.

Zwanzig Meter.

Hinter ihm landeten Schuhe auf dem Boden.

Fünfzehn.

Der Warnton wurde lauter.

Zehn.

Die Türen begannen sich zu schließen.

Jonas streckte den Arm aus.

VIII

Letzter Zug

Die Türen sprangen noch einmal auseinander.

Jonas stolperte hinein.

„Zurückbleiben“, sagte die automatische Stimme.

Die Türen schlossen.

Jonas drehte sich um.

Der Erste erreichte den Zug und schlug mit der Hand gegen die Scheibe.

Dann setzte sich die Bahn in Bewegung.

Langsam glitt der Bahnsteig vorbei.

Die drei blieben zurück.

Jonas ließ sich gegen die Tür fallen und versuchte wieder zu Atem zu kommen.

Erst da bemerkte er die Person am anderen Ende des Wagens.

Kapuzenjacke.

Das Handy noch immer in der Hand.

Jonas erkannte sie sofort.

Es war die Person aus der Seitenstraße.

Die Person sah auf.

Dann auf Jonas' Handy.

Auf dem Display erschien eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

„Du hättest einfach weitergehen sollen.“